Nils und sein Fahrrad und sein Volvo und der Zipfred
von Klaus Seydlitz
3. September 2010
Er kommt wie meistens gegen 14.00 Uhr in unseren Showroom und lehnt sein Klapprad an den Tresen. Grauslige Fahrt, sagt er, hat fast die ganze Zeit geregnet. Sein legendärer alter Volvo hat ihn dennoch sicher hergebracht. Er parkt ihn am Stadtrand und bewegt sich dann auf Pedalen weiter – und das macht er in ganz Deutschland so. Nils Holger Moormann liebt es unkonventionell. So kann es beispielsweise sein, dass er zu irgendeinem Designgipfel in die USA fliegt, um vor Ort mit der eigens eingeflogenen Harley-Davidson weiterzuknattern. Nicht, um aufzufallen, sondern schlicht, um Zeit zum Knattern zu haben. Warum nicht das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden?

Moormann ist Produzent. Nicht Produzent im Sinne eines Fabrikanten, sondern im Sinne ähnlich eines Filmemachers - ein Produzent, der es Designern ermöglicht, dass ihre Entwürfe umgesetzt und in Serie produziert werden. Produzieren macht ihm sichtlich Spaß. Er berichtet gern und viel von neu entwickelten Produkten und verschweigt dabei auch keine kleinen Pannen – es ist ganz normal, dass bei der Entwicklung von Serienprodukten mal was schiefgeht oder er auf einer Charge unbrauchbaren Wackelbrettern sitzenbleibt. Aber vor allem berichtet er von Spaß bei seiner Arbeit.

So baut er zum Beispiel nebenbei ein Hotel, besser eine Herberge. Da ihm offensichtlich kein Name einfällt, nennt er selbige berge, also Herberge ohne Her… Die Zimmer bzw. Wohnungen sind natürlich feinstes Moormann Design. Mit Liebe zum Detail entsteht hier aus einem baufälligen alten Haus ein Gebäude, welches sich wunderbar in die Umgebung einfügt und eine herrliche Spannung zwischen Architektur und Inneneinrichtung in sich birgt. Moormann selbst ist Leseratte – entwarf auch entsprechend viele Lese- und Lebemöbel – und so gibt es natürlich von ihm ausgesuchte Bücher in jedem Quartier. www.moormann-berge.de.

in der berge, foto moormann.de
Und nun ist er (heute, siehe oben) halt da. Er stellt mir einen Stapel Kataloge auf den Tisch: Verteil die mal unters Volk, es kommt bald ein neuer raus, meint er. Und seine Kataloge gehen weg wie warme Semmeln. [Anm.: Kaum legen wir nach seinem Besuch einige Exemplare aus, sind sie auch schon vergriffen. Und die Bezeichnung Kataloge ist stark untertrieben – Fetter Bildband wäre treffender…]
Die Druckwerke von Nils Holger Moormann sind durchweg sehenswert. Jeder noch so kleine (der kleinste hat die Größe einer Streichholzschachtel) Katalog sprüht vor Ideen und Kreativität. Schon beim ersten Blättern merkt der Leser, dass es Moormann längst nicht mehr nur auf schnöden Kommerz ankommt, sondern um das Erzählen von Geschichten. So erhalten wir im Laufe der Jahre eine stattliche Anzahl von sammlungswürdigen Moormann-Episoden. Ein Heftchen mit der Bezeichnung „Der Elch und die lieben Böcklein“ beispielsweise – eine Comic-Geschichte über einen gewonnenen Rechtsstreit mit einem Möbelhauskonzern aus Skandinavien…. Die alten Schweden kopierten einfach eines seiner Produkte.

Kopiert wird er im Übrigen oft und gern – aber über das Meiste regt er sich kaum auf, trifft sich stattdessen lieber zu einer launigen Fotosession mit Konstantin Gricic und/oder Axel Kufus, fährt zu Jurytätigkeiten quer durch Deutschland oder kauft – wie jüngst geschehen – ein halbes Industriegebiet, um sein Lager professioneller aufzustellen. Ein Investment, dass, O-Ton Moormann: …ein Schweinegeld kostet, musste aber sein, sonst hätte mir mein Geschäftspartner gekündigt. Ein feierlicher Festumzug aller seiner Regale und Stühle folgte, und nun ist ganz Aschau wieder glücklich.
Heute reden wir viel über Design. Über seines. Über das seiner Designer. Über die Kabelbinder, die den neuen Pappholzstuhl Zipfred zusammenhalten. Und wir reden auch über andere Hersteller. Denn so ist Nils Holger Moormann auch: Wenn jemand gute Dinge produziert, würdigt er das gern. Da gibt es kein Konkurrenzdenken. Sehr schnell erkennt er, ob ein Produkt eine Chance verdient und – auch eine Chance am Markt hat. So geht er an einem Regal eines dänischen Herstellers vorbei und sagt: Das ist ein gutes Produkt. Verkaufst Du oft, gell? Ich: Ja. Diese Art von Unaufdringlichkeit ist mir sympathisch. Klar: Verkaufen will er natürlich auch. Also, seine Neuheiten- sammlung (Multimediapräsentation mit Farbkopien auf Pappe) muss ich mir schon anschauen. Tu ich auch gern.
So. Und dann sitzt er mir gegenüber und schnauft: Du bist ein Verrückter, Klaus, weißt Du. Möbel verkaufen…Hättest lieber in die Werbung gehen sollen…. Das sagt er fast jedes Mal. Aber wo ich ihm erkläre, dass es doch so viel Spaß macht, einzurichten und es genau diese Begegnungen sind, die unseren Job aus der Normalität heraus zu etwas Besonderem werden lassen, da grinst er und packt seine Tasche.

Bitte stöbern Sie unbedingt auf moormann.de, in unseren Schubladen und im persönlichen Gespräch nach den angenehmen und nützlichen Produkten von Nils Holger Moormann.
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